Wednesday, November 28, 2007

weihnachtseinkäufe machen keine freu(n)de

Seit heute weiß ich endlich, wovon die Menschen eigentlich immer reden, wenn es um Emanzipation geht in einer Gesellschaft, in der ich es für völlig normal halte als Frau etwas Technisches zu studieren und mich in klassischen Männerdomänen zu bewegen. Bis heute war mein Standpunkt dazu: Was wollt ihr eigentlich alle? Und auf die Frage "Wie, du studierst Maschinenbau? Das sind doch da alles nur Männer...", die seltsamerweise meist von Frauen gestellt wird, ist meine Antwort mittlerweile nur noch "Ja."
Nun bin ich aber heute los, um das erste Weihnachtsgeschenk einzukaufen: Einen Hubschrauber mit Fernbedienung für meinen Cousin (inspiriert von Jan :)).
Ich habe mich also vor das Regal mit den Hubschraubern gekniet und sie näher begutachtet, als ein Verkäufer fragt, ob er mir vielleicht helfen kann. Als ich aufschaue sagt er ziemlich bestimmt: "Oh entschuldigung, ich dachte Sie wären ein Junge und würden sich vielleicht dafür interessieren." Damit wollte er sich schon aus dem Staub machen.
Ich: "Nein, aber deshalb kann ich mich doch trotzdem dafür interessieren?!"
Er: Schweigen.
Also habe ich die Stunde genutzt und wollte aus ihm ein paar technische Infos quetschen. Was genau die Funktionsweise ist, wo die Unterschiede zwischen den Produkten liegen und die normalen Dinge eben.
Er nimmt also einen und erklärt mir gründlich und langsam, welche Knöpfe ich auf der Fernbedienung bewegen muss. Dummerweise hebt der Hubschrauber aber nicht ab.
Er: "Ach, das liegt daran, dass der Akku leer ist."
2. Versuch, der Hubschrauber fliegt mir gegen das Bein.
Er: (entsetzt und ärgerlich, dass ich mein Bein nicht weggezogen habe) "Achtuuuung!!"
Daraus hat sich dann ein Gespräch entwickelt, aus dem ich zwar alle Info rausgezogen habe, die ich wollte, aber meist nur auf dreimaliges Nachfragen und in Kochrezeptemanier. ("Nach 5 Sekunden drücken Sie dann den Knopf!" "Dann sagten Sie bereits, meine Frage war, was dieser Knopf macht" "Dieser Knopf macht, dass der Hubschrauber 5 Sekunden stehen bleiben kann" "Schon klar, aber was bewirkt der Knopf?! Ändert sich die Rotorposition oder ...?" ...)
Zum Schluss hat er mir dann erzählt, dass das Beste ja immer wäre, wenn die Kunden dann gleich 4 kaufen: Eins für den Vater, eins für den Opa und 2 für die Söhne...
Ich hab mich dann bedankt und bin mit dem Kommentar, dass es ja noch 4 Wochen wären bis Weihnachten, gegangen.

In meinem ganzen Maschinenbaustudium, in Produktionshallen und in Meetings mit 20 Männern und mir bin ich noch nie so Rollen fixiert behandelt worden. Der dezente Hinweis darauf unter der Erwähnung der Worte "Maschinenbau", "Navier-Stokes-Gleichung" und "Piper Warrior" oder "Pilotenschein" war mir dann aber doch zu blöd. Und es ärgert mich auch schon gar nicht mehr, aber ich bin doch sehr verblüfft, dass es sowas heute noch gibt. Und das in der Spielzeugabteilung... Männer, rettet Eure Ehre!!

Nachtrag: Ich habe meinem Cousin keinen fernsteuerbaren Hubschrauber geschenkt. Vielleicht gibts den nächstes Jahr...

Wednesday, November 14, 2007

Von Fischen, Schnee und Freuden-sch-türmen

Während hier die ersten kleinen SchneeflöckSchen vom Himmel fallen und für die graue Decke entschädigen, habe ich eine ganz erfreuliSche Nachricht zu machen: Denn soeben habe ich meine Unterschrift unter die Auslieferungserlaubnis aller von mir erforschten Zusammenhänge und grandiosen Ideen an die Uni unterschrieben (natürlich erst nach dem für die Juristentochter angemessenen gründlichen Durchlesen;)) und damit das Thema meiner SCHtudienarbeit besiegelt. Da es sich selbstverständlich um einen etwas komplexeren Zusammenhang handelt, werde ich an dieser SCHtelle darauf verzichten, ihn näher zu erläutern. Es geht um Fische - blub -, Bienschen, ein paar Roboter, natürliSch die FörderteSchnik und auch ein paar Schwärme. Genaueres dürft ihr im Mai lesen. Hoffentlich dann ohne zu viel blub. So, und wo ich gerade so schön beim Schwärmen bin, hier auch noch etwas zum Thema Ausschwärmen und Einnisten: Meine kleine Mietnomadin und Unterbett-schläferin hat soeben verkündet, dass sie ihre Traumwohnung in der badische Hauptschtadt zugesagt bekommen hat. Glückwunsch!! Also haben wir heute abend gleich doppelt und dreifach was zu feiern!! :) Bis Dezember bleibt mein Zimmer aber noch doppelbelegt - sonst wär die Feier auch ein bisschen zu traurig. :)

Was hier aber gar nicht so feierlich ist, ist ein unverkennbarer Fettgeruch, der durSch unsere Wohnung zieht auf Grund einer nicht von mir verschuldeten spät nächtliSchen Berliner-Backaktion. Ich kann euch sagen: das ist niScht lustiSCH!!! Ich bin alle zwei SCHtunden aufgewacht und musste mich jedes Mal erst wieder davon überzeugen, kein im Fett bruzelnder und mit Marmelade gefüllter Berliner zu sein. Da hilft auch kein Fenster öffnen mehr...

Und wie ihr unschwerlich zwischen, äh in, den Zeilen habt lesen können: Baden hat miSch wieder ;-)

Saturday, November 10, 2007

Deutschlandtouren und Kulturstudien

Gestern hat der Grauherbst Einzug gehalten. Ironischerweise dieses Jahr nach dem Schwarz(wald)herbst. Alles sieht nach nur noch einem Jahr Karlsruhe aus und hier kommt so langsam die bedrohlicheFeststellung auf, so lange hier gewohnt zu haben, aber nicht wirklich etwas von Baden-Württemberg gesehen zu haben. Und weil die meisten meiner Freunde mehr oder weniger frisch aus dem Ausland oder von oberhalb der Fischlinie wieder gekommen sind, sind wir auch alle noch in Entdeckerlaune. Deshalb wurden die Wanderschuhe ausgepackt und im Schwarzwald auf und ab gelaufen. Zuerst auf dem Karlsruher Grat - laut Wanderführer nur für Schwindelfreie und Trittsichere geeignet. Nach den peruanischen Anden kommt mir das allerdings eher wie ein kleiner Spaziergang im Wäldchen vor. Naja, trotzdem schön. Das Wochenende danach gings dann spontan nach Freiburg mit einer äußerst interessanten Übernachtungsmöglichkeit in einem Verbindungshaus. Die Jungs da waren zwar ganz schön höflich ("Sie wünschen?"), aber kräftig am Balzveranstaltung feiern. Ich würde es wohl eher mit ritterlichem Gelage und besoffenem Gegröle von lustigen Liedchen wie der deutsche Nationalhymne, dem Badener Lied und anderen Dingen, deren Text ich leider nicht verstanden habe, bezeichnen. Und überhaupt: wieso feiert man eine Balzveranstaltung ohne Frauen?? Naja, man muss nicht alles wissen. Am Sonntag morgen haben wir uns dann am Chaos aus Schinkenresten, halb leeren Biergläsern und übrigem vorbei geschlichen und sind in den angeblich ursprünglichsten Teil des Schwarzwaldes gewandert. Vorbei an bezaubernden Wasserfällen und dann durch die ländliche Gegend.

Nun ist ja aber der Grauherbst angetreten und ich wünsche mir trotz gelbem Poloshirt und Mango-Lassi die Hitze und das Licht Bangkoks zurück und frage mich, was wohl die Chinesen gerade so treiben und ob die Züge noch hübsch in Reih und Glied stehen. Ja, und dann musste mir Jenny auch noch erzählen, dass es jetzt Billigflüge nach Bangkok mit airBerlin gibt. Vielleicht sollte ich ein großes Schild "Studienarbeit macht Spaß" aufhängen.
Passend zum grauen Tag sind wir dann gestern abend los gezogen, um eine kleine Kulturstudie "gammlige kneipen in karlsruhe" durchzuführen. Dabei ging es nicht so sehr um die Ausstattung der Etablissements sondern um das Klientel. Resultat: Es gibt tatsächlich eine klare Schichtentrennung - auch in dieser Stadt - und Eindringung in einen anderen Kulturkreis wird zumindest mit misstrauischen Blicken geahndet.
1. Eine gutbürgerliche Kneipe (auch "Der nette Leute Treff" - in den deutschen Nationalfarben geschrieben) mit hohem Fußballunterhaltungsanteil und wenig sonstigem. Die Wände sind voll mit KSC-Utensilien, Gespräch am Tresen dreht sich nur um das eine, Premiere läuft und es gibt einen Kicker. Besonderes Highlight: Kettenvorhänge und den Quickie für 1,90€. Na gut, besonders spannend wars nicht wirklich.
2. Eine kleine Eckkneipe mit dröhnender Musik (111dB laut Barbars Handy) und Bombenstimmung der ausschließlich um die 40 jährigen Männer zu Liedern wie "Und Baggerfahrer Bodo baggert noch", "ab und zu gewinne ich beim Flipper mal ein Spiel, das ist alles, was ich brauch und alles, was ich will" und "wir spielen Cowboy und Indianer". Zu letzterem gab es einen lustigen Tanz , der besonders bei den Textzeilen "wir reiten derb und heftig" und "wir schwingen unser lasso wie beim ersten mal" von den Herren am Tresen begeistert getanzt wurde. Wir haben noch ein bisschen im Kreis mitgeschunkelt und dann gings weiter.
3. Eine noch etwas gut bürgerlichere Kneipe als die 1. mit Kunden ab 45, offenes Ende. Da haben die Toiletten Öffnungszeiten, ansonsten ists recht langweilig.
4. Eine Bar mit ziemlich betrunkenen Menschen und unglaublich dämlichen Gesprächen. Die Bedienung sieht uns ganz schön misstrauisch an und die Gäste witzeln, ob die "In-Bars" schon alle zu wären. Naja, dafür gibts was zu essen. Und wir haben den besten Witz des Abends gehört: Wwwas issn Wort bei de Bbundeswehr ohne k? - allehoool
5. Bar an der Ecke zur Rotlichtstraße. Eindeutig zu viele Schlägertypen mit Glatze, Bomberjacke und Tättowierungen. Ansonsten nur noch 3 Mädels (in Richtung "Früh übt sich, wer ein Profi sein will") An der Wand hängen Maschinengewehre, Schilder weisen darauf hin, dass Drogenkonsum zu lebenslänglichem Hausverbot führt. Eigentlich sind sie ja ganz nett, die Schlägertypen, aber nach komischen Blicken in unsere Richtung fühlen wir uns etwas bedroht und trinken schnell aus. Einmal und nie wieder.