Saturday, November 10, 2007

Deutschlandtouren und Kulturstudien

Gestern hat der Grauherbst Einzug gehalten. Ironischerweise dieses Jahr nach dem Schwarz(wald)herbst. Alles sieht nach nur noch einem Jahr Karlsruhe aus und hier kommt so langsam die bedrohlicheFeststellung auf, so lange hier gewohnt zu haben, aber nicht wirklich etwas von Baden-Württemberg gesehen zu haben. Und weil die meisten meiner Freunde mehr oder weniger frisch aus dem Ausland oder von oberhalb der Fischlinie wieder gekommen sind, sind wir auch alle noch in Entdeckerlaune. Deshalb wurden die Wanderschuhe ausgepackt und im Schwarzwald auf und ab gelaufen. Zuerst auf dem Karlsruher Grat - laut Wanderführer nur für Schwindelfreie und Trittsichere geeignet. Nach den peruanischen Anden kommt mir das allerdings eher wie ein kleiner Spaziergang im Wäldchen vor. Naja, trotzdem schön. Das Wochenende danach gings dann spontan nach Freiburg mit einer äußerst interessanten Übernachtungsmöglichkeit in einem Verbindungshaus. Die Jungs da waren zwar ganz schön höflich ("Sie wünschen?"), aber kräftig am Balzveranstaltung feiern. Ich würde es wohl eher mit ritterlichem Gelage und besoffenem Gegröle von lustigen Liedchen wie der deutsche Nationalhymne, dem Badener Lied und anderen Dingen, deren Text ich leider nicht verstanden habe, bezeichnen. Und überhaupt: wieso feiert man eine Balzveranstaltung ohne Frauen?? Naja, man muss nicht alles wissen. Am Sonntag morgen haben wir uns dann am Chaos aus Schinkenresten, halb leeren Biergläsern und übrigem vorbei geschlichen und sind in den angeblich ursprünglichsten Teil des Schwarzwaldes gewandert. Vorbei an bezaubernden Wasserfällen und dann durch die ländliche Gegend.

Nun ist ja aber der Grauherbst angetreten und ich wünsche mir trotz gelbem Poloshirt und Mango-Lassi die Hitze und das Licht Bangkoks zurück und frage mich, was wohl die Chinesen gerade so treiben und ob die Züge noch hübsch in Reih und Glied stehen. Ja, und dann musste mir Jenny auch noch erzählen, dass es jetzt Billigflüge nach Bangkok mit airBerlin gibt. Vielleicht sollte ich ein großes Schild "Studienarbeit macht Spaß" aufhängen.
Passend zum grauen Tag sind wir dann gestern abend los gezogen, um eine kleine Kulturstudie "gammlige kneipen in karlsruhe" durchzuführen. Dabei ging es nicht so sehr um die Ausstattung der Etablissements sondern um das Klientel. Resultat: Es gibt tatsächlich eine klare Schichtentrennung - auch in dieser Stadt - und Eindringung in einen anderen Kulturkreis wird zumindest mit misstrauischen Blicken geahndet.
1. Eine gutbürgerliche Kneipe (auch "Der nette Leute Treff" - in den deutschen Nationalfarben geschrieben) mit hohem Fußballunterhaltungsanteil und wenig sonstigem. Die Wände sind voll mit KSC-Utensilien, Gespräch am Tresen dreht sich nur um das eine, Premiere läuft und es gibt einen Kicker. Besonderes Highlight: Kettenvorhänge und den Quickie für 1,90€. Na gut, besonders spannend wars nicht wirklich.
2. Eine kleine Eckkneipe mit dröhnender Musik (111dB laut Barbars Handy) und Bombenstimmung der ausschließlich um die 40 jährigen Männer zu Liedern wie "Und Baggerfahrer Bodo baggert noch", "ab und zu gewinne ich beim Flipper mal ein Spiel, das ist alles, was ich brauch und alles, was ich will" und "wir spielen Cowboy und Indianer". Zu letzterem gab es einen lustigen Tanz , der besonders bei den Textzeilen "wir reiten derb und heftig" und "wir schwingen unser lasso wie beim ersten mal" von den Herren am Tresen begeistert getanzt wurde. Wir haben noch ein bisschen im Kreis mitgeschunkelt und dann gings weiter.
3. Eine noch etwas gut bürgerlichere Kneipe als die 1. mit Kunden ab 45, offenes Ende. Da haben die Toiletten Öffnungszeiten, ansonsten ists recht langweilig.
4. Eine Bar mit ziemlich betrunkenen Menschen und unglaublich dämlichen Gesprächen. Die Bedienung sieht uns ganz schön misstrauisch an und die Gäste witzeln, ob die "In-Bars" schon alle zu wären. Naja, dafür gibts was zu essen. Und wir haben den besten Witz des Abends gehört: Wwwas issn Wort bei de Bbundeswehr ohne k? - allehoool
5. Bar an der Ecke zur Rotlichtstraße. Eindeutig zu viele Schlägertypen mit Glatze, Bomberjacke und Tättowierungen. Ansonsten nur noch 3 Mädels (in Richtung "Früh übt sich, wer ein Profi sein will") An der Wand hängen Maschinengewehre, Schilder weisen darauf hin, dass Drogenkonsum zu lebenslänglichem Hausverbot führt. Eigentlich sind sie ja ganz nett, die Schlägertypen, aber nach komischen Blicken in unsere Richtung fühlen wir uns etwas bedroht und trinken schnell aus. Einmal und nie wieder.

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