Seit heute weiß ich endlich, wovon die Menschen eigentlich immer reden, wenn es um Emanzipation geht in einer Gesellschaft, in der ich es für völlig normal halte als Frau etwas Technisches zu studieren und mich in klassischen Männerdomänen zu bewegen. Bis heute war mein Standpunkt dazu: Was wollt ihr eigentlich alle? Und auf die Frage "Wie, du studierst Maschinenbau? Das sind doch da alles nur Männer...", die seltsamerweise meist von Frauen gestellt wird, ist meine Antwort mittlerweile nur noch "Ja."
Nun bin ich aber heute los, um das erste Weihnachtsgeschenk einzukaufen: Einen Hubschrauber mit Fernbedienung für meinen Cousin (inspiriert von Jan :)).
Ich habe mich also vor das Regal mit den Hubschraubern gekniet und sie näher begutachtet, als ein Verkäufer fragt, ob er mir vielleicht helfen kann. Als ich aufschaue sagt er ziemlich bestimmt: "Oh entschuldigung, ich dachte Sie wären ein Junge und würden sich vielleicht dafür interessieren." Damit wollte er sich schon aus dem Staub machen.
Ich: "Nein, aber deshalb kann ich mich doch trotzdem dafür interessieren?!"
Er: Schweigen.
Also habe ich die Stunde genutzt und wollte aus ihm ein paar technische Infos quetschen. Was genau die Funktionsweise ist, wo die Unterschiede zwischen den Produkten liegen und die normalen Dinge eben.
Er nimmt also einen und erklärt mir gründlich und langsam, welche Knöpfe ich auf der Fernbedienung bewegen muss. Dummerweise hebt der Hubschrauber aber nicht ab.
Er: "Ach, das liegt daran, dass der Akku leer ist."
2. Versuch, der Hubschrauber fliegt mir gegen das Bein.
Er: (entsetzt und ärgerlich, dass ich mein Bein nicht weggezogen habe) "Achtuuuung!!"
Daraus hat sich dann ein Gespräch entwickelt, aus dem ich zwar alle Info rausgezogen habe, die ich wollte, aber meist nur auf dreimaliges Nachfragen und in Kochrezeptemanier. ("Nach 5 Sekunden drücken Sie dann den Knopf!" "Dann sagten Sie bereits, meine Frage war, was dieser Knopf macht" "Dieser Knopf macht, dass der Hubschrauber 5 Sekunden stehen bleiben kann" "Schon klar, aber was bewirkt der Knopf?! Ändert sich die Rotorposition oder ...?" ...)
Zum Schluss hat er mir dann erzählt, dass das Beste ja immer wäre, wenn die Kunden dann gleich 4 kaufen: Eins für den Vater, eins für den Opa und 2 für die Söhne...
Ich hab mich dann bedankt und bin mit dem Kommentar, dass es ja noch 4 Wochen wären bis Weihnachten, gegangen.
In meinem ganzen Maschinenbaustudium, in Produktionshallen und in Meetings mit 20 Männern und mir bin ich noch nie so Rollen fixiert behandelt worden. Der dezente Hinweis darauf unter der Erwähnung der Worte "Maschinenbau", "Navier-Stokes-Gleichung" und "Piper Warrior" oder "Pilotenschein" war mir dann aber doch zu blöd. Und es ärgert mich auch schon gar nicht mehr, aber ich bin doch sehr verblüfft, dass es sowas heute noch gibt. Und das in der Spielzeugabteilung... Männer, rettet Eure Ehre!!
Nachtrag: Ich habe meinem Cousin keinen fernsteuerbaren Hubschrauber geschenkt. Vielleicht gibts den nächstes Jahr...
Wednesday, November 28, 2007
Subscribe to:
Post Comments (Atom)
2 comments:
da musste ich dann ja doch erstmal nachschauen was die navier stokes gleichung ist. als mann oh nein ihc bin verloren :D
In einer Woche bin ich da :)
Freu mich!!
Post a Comment